Polizei ermittelt nach mutmaßlichen rassistischen Anfeindungen in Lieberose

Nur drei Tage nach ihrer Ankunft in Lieberose ist eine Familie aus Bosnien mutmaßlich aufgrund rassistischer Anfeindungen zurück nach Berlin geflohen. Jetzt ermittelt die Polizei gegen eine Gruppe Männer - und gegen zwei Familienmitglieder.

Nach Vorwürfen rassistischer Anfeindungen und Bedrohungen gegen eine Familie in der Brandenburger Gemeinde Lieberose (Dahme-Spreewald) hat die Polizei mehrere Ermittlungsverfahren eingeleitet.

"Wir müssen aufhellen, was sich zugetragen hat", sagte eine Sprecherin der Polizei am Samstag. Eine Mutter aus Bosnien mit vier Kindern verließ nach eigenen Angaben wenige Tage nach ihrem Umzug ins brandenburgische Lieberose aus Angst vor rassistischen Angriffen den kleinen Ort in der Lausitz, 30 Kilometer von Cottbus entfernt, wieder.

Die umfangreichen Ermittlungen mit der Vernehmung von Beteiligten und Zeugen dauerten an, sagte die Sprecherin. Ermittelt wird demnach gegen eine Gruppe junger Männer und einen 45-jährigen Mann, aber auch gegen zwei Mitglieder der Familie.

Naziparolen am Fenster

Die Frau, die im Juli von Berlin in den 1.300-Einwohner-Ort gezogen war, berichtete am Freitagabend in der rbb24 Abendschau von Bedrohungen: Ein Mann soll demnach am späten Abend des 28. Juli gegen die Fensterscheibe der Wohnung geschlagen haben, Naziparolen gegrölt und den Hitlergruß gezeigt haben. Sie sei aufgefordert worden, ihre "Sachen zu packen". Gegen einen 45-Jährigen ermittelt die Polizei wegen dieser Vorwürfe wegen des Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Zudem soll eine minderjährige Tochter der Frau von einer Gruppe junger Männer am Marktplatz von Lieberose rassistisch beleidigt worden sein, wie die Polizeisprecherin sagte. Es gebe auch den Vorwurf, dass es zu einem Angriff mit einer Kette oder Fahrradschloss gekommen sein soll. Die Polizei ermittele gegen sechs Personen wegen Bedrohung, Beleidigung und Verdachts der Körperverletzung. Beamte forderten die Männer auf, sich von Familie fernzuhalten.

Auseinandersetzung auf dem Marktplatz

Zu der Auseinandersetzung auf dem Marktplatz zwischen Angehörigen der Familie und der Gruppe gibt es laut Polizei unterschiedliche Aussagen, die überprüft werden. Die Polizei-Sprecherin sagte der Deutschen Presse-Agentur am Samstag, der Vater der Familie solle zu der Gruppe gelaufen und übergriffig geworden sein. Zuvor hatte es geheißen, es habe sich um einen Freund der Familie gehandelt. Gegen ihn und ein weiteres Familienmitglied werde wegen des Verdachts der Körperverletzung ermittelt.

Die Familie, die wieder zurück nach Berlin ging, wird angesichts der Rassismus-Vorwürfe vom Verein Opferperspektive [opferperspektive.de] begleitet. Die Mutter habe in Berlin keine bezahlbare Wohnung gefunden und sei daher nach Lieberose gezogen, hieß es.

Die Zahl politisch motivierter rechter Straftaten in Brandenburg stieg im ersten Halbjahr dieses Jahres nach vorläufigen Zahlen deutlich. Von Januar bis Juni sind laut Innenministerium 1.049 Fälle gezählt worden. Das ist ein Anstieg von einem Drittel im Vergleich zum Jahr zuvor, als 789 Fälle registriert wurden.

https://www.rbb24.de/studiocottbus/panorama/2023/08/rassismus-vorwuerfe-ermittlungen-brandenburg-lausitz-lieberose.html