Monika Gruber und die "Nazi-Keule"

Für die Kabarettistin Monika Gruber ist der neue Heizungskompromiss ein "Murks". Sie startet einen verbalen Frontalangriff gegen die Grünen und die Berliner Regierung.

Wenige Wochen ist es her, da veranstaltete die bayerische Kabarettistin Monika Gruber ihre Großdemonstration gegen die "Heizungsideologie". 13.000 Teilnehmer gingen in Grubers Heimatort im oberbayerischen Erding auf die Straße, rund 40 Kilometer entfernt von München. Die "breite Mitte der Gesellschaft", so beschrieb Monika Gruber die Demonstranten.

Doch zur Versammlung reisten auch zahlreiche AfD-Anhänger, Rechtspopulisten und Verschwörungsideologen an, mit denen teilweise auch Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler) und Gruber im Gespräch waren, wie t-online berichtete. Doch von ihnen versucht sich die Kabarettistin jetzt wohl abzugrenzen. Manchmal bleibt es aber beim Versuch.

"Radikale Ansichten sind mir zuwider, egal aus welcher Ecke", sagt die 51-Jährige in einem Interview zum Magazin "Cicero". Um wenige Antworten später die bayerische Grünen-Vorsitzende Katharina Schulze einen "hysterischen Duracell-Hasen" und Vize-Kanzler Robert Habeck auf Instagram einen "Wirtschaftsvernichter" zu nennen.

Über sich stellt sie fest: "Da wo ich herkomme, vertrauen wir auf Gott, den gesunden Menschenverstand und auf die gleichbleibende Qualität des bayrischen Bieres." Sie hätte sich weder radikalisiert noch wäre sie auf "schwurbelige Ideen" gekommen.

Bei der Demonstration in Erding seien größtenteils Bauern, Unternehmer, Angestellte, Beamte, Rentner und alleinerziehende Mütter gewesen. Jetzt die "Nazi-Keule" auszupacken sei unglaublich "billig, verlogen und arrogant".

Monika Gruber greift Vize-Kanzler Robert Habeck an

Wer ihr hingegen offenbar gefällt, ist Bayerns stellvertretender Ministerpräsident Hubert Aiwanger. Der hätte den Leuten in Krisenzeiten aufs "Maul" geschaut. Bei der Demonstration in Erding sagte er: "Jetzt ist der Punkt erreicht, wo die große schweigende Mehrheit sich die Demokratie zurückholen muss und denen in Berlin sagen: Ihr habt ja wohl den Arsch offen da oben. Wir wollen unsere Demokratie zurückholen."

Derartige Ansprachen seien "zehnmal" besser als die Kommunikation Habecks, der den "intellektuellen Denker" spiele und dabei ein "ganzes Volk" mit seinen "unausgegorenen Ideen" überfordere. Sein abgeänderter neuer "Heizungskompromiss" sei immer noch ein "Murks", der nichts außer Kosten verursachen würde.

Zuvor hatte Gruber eine weitere angekündigte Großdemonstration nach Informationen von t-online auf der Münchner Theresienwiese abgesagt – angeblich aufgrund des neuen Kompromisses. Für sie ist der Macher des Gesetzes Teil eines Berliner "Raumschiffs". Konkret kritisiert die Kabarettistin beispielsweise, dass Habeck die deutsche Wirtschaft "drossele", um der Ukraine im Krieg gegen Russland zu helfen. In welchem Kontext der Krieg und Deutschlands Engagement steht, erwähnt sie nicht.

Markus Söder sei nicht "souverän" aufgetreten

Die Kabarettistin spricht bei "Cicero" nicht nur über Habeck, sondern auch über Ministerpräsident und CSU-Vorsitzenden Markus Söder. Der hätte seine Kritiker in Erding fälschlicherweise als AfD-Wähler beleidigt. "Das war nicht gerade souverän."

Markus Söder verlieh Monika Gruber 2019 den bayerischen Verdienstorden (Archivbild): Politisch scheinen sie aber nicht überall auf einem gemeinsamen Nenner zu sein.

Markus Söder verlieh Monika Gruber 2019 den bayerischen Verdienstorden (Archivbild): Politisch scheinen sie aber nicht überall auf einem gemeinsamen Nenner zu sein. (Quelle: via www.imago-images.de)

Auch vor den bayerischen Grünen macht Gruber nicht Halt. Die nach der Demonstration im Bayerischen Landtag geforderte Entlassung von Hubert Aiwanger hätte teilweise "autokratische Züge" gehabt. Katharina Schulze, Spitzenkandidatin der bayerischen Grünen, die die Entlassung forderte, sei ein "hysterisches Duracell-Häschen".

Landbevölkerung hätte andere Interessen als Berlin

"Hardcore-Grüne" und "militante Klimakleber" seien bei ihr ohnehin fehl am Platz. Welche Pronomen jemand hat oder ob ein Frühstück klimaneutral ist, seien keine Themen, die Leute auf dem Land, fernab des Prenzlauer Berges oder Hamburger Schanzenviertels, interessieren würden.

Mit derartigen überspitzten Äußerungen polarisiert Gruber. Doch es bleibt nicht nur bei Überspitzungen, einige ihrer Behauptungen stimmen nicht.

Vor wenigen Monaten sprach sie in einem Instagram-Video beispielsweise davon, dass die Tagesschau das Wort "Mutter" aus dem Wortschatz "verbieten" wolle. Das ist jedoch nicht wahr. Instagram platzierte unter dem genannten Video inzwischen sogar einen Hinweis: "Fehlender Kontext". Derartige Videos finden nicht nur in der "bürgerlichen Mitte" Widerhall, sondern auch in obskuren Telegram-Gruppen von Verschwörungsideologen.

Wie Gruber jetzt weitermachen will? Ein bisschen möchte sie noch gegen den "ganzen Wahnsinn" kämpfen. Wäre sie Ministerpräsidentin, dann würde sie wohl, wie sie in einem weiteren Video vor einigen Monaten sagte, Bayern von Deutschland abspalten und mit Österreich und Südtirol einen eigenen Staat gründen wollen. Wie ernst Gruber den Separatismus meint, ist schwer einzuschätzen. Pointen und Populismus vermischen sich bei ihr zusehends. Eine Erklärung, wann sie als Komikerin und wann als Aktivistin spricht, bleibt sie schuldig.

https://www.t-online.de/region/muenchen/id_100196864/monika-gruber-mit-frontalangriff-gegen-gruene-heizungsgesetz-murks-.html