Meckern auf hohem Niveau

Das ungeheure spielerische Potential, Dynamik und Kompaktheit, die unbändiger Lauffreude und die große taktische Disziplin: Die Eintracht kann im Kampf um die Bundesligaspitze tatsächlich mitmischen.

Markus Krösches Gesichtsausdruck eine Viertelstunde nach dem Schlusspfiff hätte prima zu einer Niederlage gepasst – sein erster Kommentar auch. „Die zweite Halbzeit war schlecht“, sagte der Sportvorstand der Eintracht gequält. Dabei analysierte Krösche ein 3:0 über Hertha BSC. Mit seiner überspitzt klingenden Kritik unterstrich er, wie weit die Frankfurter Mannschaft gekommen ist. Nicht mehr die Qualität ist ihr Problem, sondern, es seriös abzurufen.

Das ungeheure spielerische Potential, die Dynamik und die Kompaktheit, die unbändiger Lauffreude und großer taktischer Disziplin entspringt, prädestinieren die Eintracht dazu, im Kampf um die Bundesligaspitze mitzumischen. Alles andere wäre ein Verschleudern des Talents, wenn der Rückschritt durch Leichtsinn, Überheblichkeit oder Behäbigkeit ausgelöst würde.

Dafür gab es gegen die Berliner tatsächlich erste zarte Anzeichen, die auch Trainer Oliver Glasner nicht entgangen waren. Er kleidete seinen Tadel allerdings in mildere Worte als Krösche und schloss ihn versöhnlich ab: „Das ist jetzt Meckern auf hohem Niveau.“

Aussicht verbessert sich

Als Vorgesetzter, der täglich auf dem Trainingsplatz mit den Angestellten zusammenarbeitet und sie bei Laune halten muss, hat Glasner recht, sich diplomatischer auszudrücken. Bis jetzt hat der Österreicher alles richtig im Umgang mit der Mannschaft gemacht, die in der ersten Halbzeit gegen die Hertha mit einer unbändigen Lust am Spiel bezauberte. Dass sie dann in einen Verwaltungsmodus umschaltete und in zwei Szenen die Kontrolle verlor, bevor sie in der Schlussphase wieder dominierte, verzieh ihr das Publikum gerne. Umso wichtiger, dass Krösche als murrendes Korrektiv auftrat.

Die Eintracht-Profis müssen noch lernen, mit ihrer neuen Stärke umzugehen. Sie dürfen auf sie vertrauen, aber sie wird sofort verschwinden, wenn sie sich nicht andauernd durch Fleiß und Leidenschaft erneuert. Bleiben die Frankfurter hungrig, haben sie alle Chancen, in diesem Frühjahr ein weiteres lesenswertes Kapitel ihrer Klubgeschichte zu schreiben. Mit der Verpflichtung von Philipp Max haben sich ihre Aussichten noch mal verbessert.

Man sollte mit einem Urteil nach einem Spiel vorsichtig sein – auch Luca Pellegrini debütierte auf der linken Außenbahn vielversprechend. Aber der 29-Jährige ehemalige deutsche Nationalspieler offenbarte vieles, warum er in seiner Augsburger Zeit drei Länderspiele für Deutschland bestreiten durfte. Und Integrationsschwierigkeiten sind bei Max anders als beim Italiener nicht zu erwarten.

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