Massive Flughafen-Störung: "Letzte Generation" kontert Wut

Auf die massiven Störungen an zwei deutschen Flughäfen folgt eine Welle der Kritik an der "Letzten Generation". Die sieht sich nicht in der Verantwortung für das Chaos.

Die Schuld an den Flughafenprotesten am Donnerstag, bei dem tausende Reisende ihre Flüge verpassten, sieht die Klimaaktivisten-Gruppe "Letzte Generation" nicht bei sich – sondern im Verhalten der Bundesregierung. Lina Johnson, eine Sprecherin der Bewegung, sagte in den ARD-Tagesthemen: "Es tut mir unglaublich doll leid. Ich gönne allen Menschen, allen Familien einen wohlverdienten Urlaub."

Den für alle nervenden Protest wolle auch die "Letzte Generation" eigentlich nicht durchführen. Jedoch: "Gleichzeitig müssen wir uns angucken, auf was für eine Katastrophe wir zusteuern. Und die Regierung nimmt das nicht ernst." Johnson bekräftigte den Vorwurf, die Bundesregierung setze eigene Klimaschutzziele nicht um und breche Gesetze, weil das Verfehlen der Ziele im Verkehrssektor keine Folgen habe.

 

Minister fordert lange Haftstrafen

Die Blockaden am Hamburger und Düsseldorfer Flughafen am Donnerstagvormittag hatten bundesweit Kritik an der Gruppe hervorgerufen: Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) brachte einen Schadensersatz in Millionenhöhe ins Spiel, den die "Letzte Generation" begleichen müsse.

Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) kritisierte das Vorgehen: "Wer sich wirklich für Klimaschutz einsetzen will, der muss die gesellschaftliche Akzeptanz mit im Blick haben." Klimaschutz gehöre in die Mitte der Gesellschaft. "Und so sollten wir auch an Klimaschutz rangehen."

Letzte Generation am Flughafen Düsseldorf

Der neue CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann sprach sich für mehrjährige Haftstrafen aus, sollten die Aktivisten eine Blockade wiederholen. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) versprach neue Sicherheitsstandards an den Airports. Auch in der Hamburger Bürgerschaft, deren Flughafen am Donnerstag stundenlang still gestanden hatte, wurden die Proteste verurteilt – mit einer Ausnahme.

 

"Es scheitert an Lösungen, nicht an Mehrheiten in der Bevölkerung"

Zu Umfragen, wonach immer mehr Menschen die Aktionen ablehnen, sagte die Sprecherin der "Letzten Generation": "Unsere Rolle als Protestierende ist es nicht, Mehrheiten für den Klimaschutz zu schaffen, die sowieso schon da sind. Es scheitert an Lösungen, nicht an Mehrheiten in der Bevölkerung."

Johnson stellte in Frage, dass einige Protestformen kriminell sind. "Kriminell ist erstmal eine Bewertung, und das müssen am Ende die Gerichte entscheiden. Und da haben wir noch keinen Gerichtsbeschluss vorliegen", sagte sie wohl mit Bezug auf Flughafen-Blockaden. Wegen anderer Proteste wurden Aktivisten bereits zu Geld- oder sogar Haftstrafen verurteilt.

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