Keine Punkte bei Dardais drittem Debüt

Hertha BSC hat am Samstag mit 2:4 gegen Werder Bremen verloren. Auch unter dem neuen, alten Coach Dardai fand Hertha nicht zurück in die Erfolgsspur - und bleibt Tabellenletzter der Bundesliga.

Hertha BSC hat am Samstagnachmittag im ausverkauften Olympiastadion mit 2:4 (0:2) gegen Werder Bremen verloren. Marvin Ducksch schnürte in der ersten Halbzeit einen Doppelpack und legte kurz nach Wiederanpfiff noch einen dritten Treffer nach (6., 27., 51.). Ex-Herthaner Mitchell Weiser erzielte das vierte Bremer Tor (63.). Jessic Ngankam (68.) und Dodi Lukebakio (79.) trafen in der Schlussphase für Hertha.

Schon Stunden vor dem Anpfiff im ausverkauften Olympiastadion hatten Anhänger beider Mannschaften in Form von Fanmärschen zum Spielort für einen stimmungsvollen Rahmen gesorgt. Insgesamt waren rund 20.000 Werder-Fans im weiten Rund in Westend. Über der Ostkurve hing ein großes Banner mit der Aufschrift "Zerreißt euch endlich für Hertha BSC!"

Das Personal

Im ersten Spiel seiner dritten Amtszeit als Hertha-Coach setzte Pal Dardai auf eine Viererkette. Im Vergleich zur 2:5-Niederlage beim FC Schalke 04 ersetzte Rechtsverteidiger Peter Pekarik den gelbgesperrten Filip Uremovic. In der Offensive schenkte Dardai den beiden Berliner Eigengewächsen Jessic Ngankam und Derry Scherhant das Vertrauen. Auf Seiten des SV Werder Bremen standen die beiden Ex-Herthaner Niklas Stark und Mitchell Weiser in der Startelf.

Der Spielverlauf

Bei optimalen äußeren Bedingungen und strahlendem Sonnenschein verbuchten die Blau-Weißen den ersten Torschuss, Dodi Lukebakio scheiterte allerdings an SVW-Keeper Jiri Pavlenka (3.). Keine drei Zeigerumdrehungen später waren es dann die Gäste aus Bremen, die mit ihrem ersten zielgerichteten Angriff mit 1:0 in Führung gingen: Jens Stage steckte auf Marvin Ducksch durch, der flach einschob (6.).

Von diesem erneuten, frühen Dämpfer zeigten sich die neuformierten Berliner sichtlich beeindruckt. Der SVW war hellwach und ließ zunächst keine weiteren gefährlichen Offensivaktionen der Herthaner zu. Stattdessen schlugen die Grün-Weißen auch mit ihrer zweiten guten Möglichkeit zu: Ducksch wurde im Fünfmeterraum sträflich frei gelassen und nickte nach Flanke von Christian Groß ein (27.). Die Hertha-Mannschaft drohte in dieser Phase des Spiels förmlich auseinanderzufallen. Maximilian Philipp verfehlte den Kasten von Hertha-Torwart Oliver Christensen in der 30. Minute nur haarscharf. Kurz vor der Pause hatte Ducksch eine aussichtsreiche Gelegenheit auf sein drittes Tor, ließ diese aber ungenutzt (41.). Stage hob das Leder in der 45. Minute freistehend vor Christensen über das Gehäuse. Die 2:0-Halbzeitführung für den SVW ging absolut in Ordnung.

Dardai'scher Dreifachwechsel – Ducksch schnürt Dreierpack

Hertha-Coach Dardai reagierte auf die schwache Vorstellung seiner Mannschaft und wechselte zum Wiederanpfiff gleich drei Mal: Kevin-Prince Boateng, Suat Serdar und Augstin Rogel ersetzten Tolga Cigerci, Derry Scherhant und Marton Dardai. Doch auch diese Maßnahmen hatten zunächst keinen Einfluss auf den Spielverlauf. Es blieb dabei: Hertha lud die Bremer ein, Ducksch stand nach einer hohen Hereingabe goldrichtig und erzielte seinsen dritten Treffer des Nachmittages (51.).

In der Folge trug sich schließlich auch noch Ex-Herthaner Weiser in die Torschützenliste ein. Nach einem Abstimmungsfehler zwischen Rogel und Christensen in der 63. Minute brauchte der Bremer nur noch einzuschieben – 0:4. Das Berliner Aufbäumen in Gestalt von Eigengewächs Ngankam, der erst zum 1:4 selbst traf (68.) und dann einen Elfmeter herausholte, der von Dodi Lukebakio zum 2:4 verwandelt wurde (79.), kam jedoch etwas zu spät.

Die Kurzanalyse

Während Pal Dardai nach seinem dritten Amtsantritt als Cheftrainer der "Alten Dame" unter der Woche noch für neuen Optimismus im Lager der Berliner gesorgt hatte, lösten sich Hoffnungen auf den erneuten "Dardai-Effekt" nach nicht einmal sechs gespielten Minuten in Luft auf. Von einer geschlossenen, kompakten Mannschaftsleistung im Spiel gegen den Ball – was Hertha unter Dardai in der Vergangenheit stets stark gemacht hatte – waren die Blau-Weißen im Duell gegen Werder weit entfernt. Marvin Ducksch bestrafte das desolate Defensivverhalten der Berliner im ersten Durchgang eiskalt. Hertha blieb bis zur Pause chancenlos und hatte Glück, dass der SVW einige weitere hochkarätige Möglichkeiten ungenutzt ließ.

Auch im zweiten Spielabschnitt änderte sich zunächst nichts an den Kräfteverhältnissen, Ducksch und Weiser besorgten die Tore drei und vier, während die Berliner Hintermannschaft - wie schon in Gelsenkirchen - Auflösungserscheinungen zeigte. Ein Hoffnungsschimmer aus Berliner Sicht war Eigengewächs Jessic Ngankam, der sich quasi im Alleingang gegen die Niederlage stemmte.

Die Bremer – insbesondere Angreifer Marvin Ducksch – erwischten dagegen einen nahezu perfekten Tag. Und so entführten formschwache Werderaner – nach zuletzt vier Niederlagen und zwei Remis aus den vorangegangen sechs Bundesliga-Spielen - verdientermaßen drei Punkte aus dem Olympiastadion.

Die Herthaner taumeln weiter Richtung Abstieg und belegen nach 29 Spieltagen weiterhin den 18. Tabellenplatz der Fußball-Bundesliga. Zu allem Überfluss sah Abwehrchef Marc Oliver Kempf seine fünfte Gelbe Karte und wird den Berlinern somit am kommenden Sonntag (15:30 Uhr) im Auswärtsspiel beim FC Bayern München nicht zur Verfügung stehen.

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