"Ich hätte gern eine Wohnung, die nicht jährlich überschwemmt wird"

Zwei Stürme sorgen im Jahresabstand für schwerste Schäden am Dach eines Wohnhauses in Berlin-Gesundbrunnen. Jedes mal durchströmt Regen die Wohnung eines Mieters. Sie ist nun zerstört, er am Ende mit den Nerven. Von Julian von Bülow

"Es sind jetzt fast zwei Wochen, in denen mein Leben ein einziges Chaos ist", sagt Michael Dunajevsky. Er steht in seinem Wohnzimmer vor einer durchnässten Couch, darauf und daneben liegt ein Teil seiner herabgefallenen Zimmerdecke. Über ihm ragen die Bohlen des Dachbodens frei. Für ihn trägt die Hausverwaltung daran eine Mitschuld.

Denn es ist schon das zweite Mal, dass Regenwasser den Weg durch Dunajevskys Wohnung in der Heinz-Galinski-Straße in Berlin-Gesundbrunnen nimmt. Im Februar 2022 riss ein Sturm das Dach des Altbaus offen, die Decken und Wände wurden feucht, wie Dunajevsky auf Fotos zeigt. "Alle Nachbarn kamen mit Eimern, die stellten wir unter die tropfenden Deckenlampen", sagt er. "Ich habe das Haus drei Tage nicht verlassen, weil ich Angst hatte, dass noch mehr Regen hereinkommt."

Wie aus Mails hervorgeht, informierte Dunajevsky die Hausverwaltung zeitnah und machte Bilder von den Wasserschäden. Genau das rät auch Wibke Werner vom Berliner Mieterverein und ergänzt: "Die Mietminderung ist solange möglich, bis der Mangel vollständig behoben ist. Wird die Wohnung auf Grund des Wassereintritts unbewohnbar, ist die Miete vollständig gemindert." Beschädigt das Wasser Möbel, tragen allerdings in der Regel die Mieter:innen das Risiko, welches sich durch eine Hausratversicherung absichern lässt.

Dachstuhl stürzt auf Kita-Gelände

Dunajevsky konnte nach dem ersten Dachschaden eine Mietminderung durchsetzen. Die Hausverwaltung ließ das Dach 2022 provisorisch von einem Dachdecker reparieren. Später erfuhr Dunajewsky von anderen Mietern, dass die sogenannte Notabdichtung angeblich keine lange Lebenszeit habe. Auf rbb-Nachfrage erklärt der verantwortliche Dachdeckerbetrieb, dass der Hersteller solcher Notabdichtungen die Haltbarkeit mit etwa drei Monaten angibt. Warum die Hausverwaltung diese über diesen Zeitraum hinaus auf dem Dach beließ, beantwortete sie rbb|24 gegenüber nicht.

Als es Ende Juli diesen Jahres stürmt, ist die Notabdichtung nach mehr als einem Jahr immer noch oben. Doch bei diesem Sturm reißt nicht nur die Abdichtung ab, sondern der komplette Dachstuhl stürzt hinunter – auf das Gelände einer angrenzenden Kita.

Verletzt wurde niemand, der Vorfall ereignete sich zwischen 19 und 20 Uhr, erinnert sich ein Mieter. Doch die Kita hat nun eine zerschlagene Scheibe sowie einen geplätteten Maschendrahtzaun. Ob die Notabdichtung zu dem jetzigen Sturmschaden beitrug, muss noch geklärt werden. Der Dachdecker hält das zumindest für unwahrscheinlich.

Bloß raus aus der Wohnung

Dunajevsky rief am Sturmabend Polizei und Feuerwehr. "Ich bin dann schnell aus der Wohnung, weil die Polizei gesagt hat, dass die nicht sicher sei", sagt er. Denn auf den offenliegenden Dachboden prasselte der Regen und eine seiner Zimmerdecken habe sich wegen des Wassers schon gelöst.

Dass die "Wohnungen komplett durchfeuchtet worden sind" erkennt in einem Dokument auch die Hausverwaltung an. Sie bezahlte ein Hotelzimmer in dem Dujanevsky unterkommen konnte. Danach bot sie ihm eine Ausweichwohnung fünf Minuten entfernt von seinem Zuhause an – ein Glücksfall.

Kein Herd, dafür Einbrüche?

Einerseits ist er dankbar für die neue Wohnung, doch gehört fühlt er sich von der Hausverwaltung nicht. "Was am meisten weh tut, ist, dass sich niemand auf die eigene Seite stellt und sich niemand um den emotionalen Aspekt kümmert", sagt Dunajevsky. Für die Ausgleichswohnung habe er gleich einen Vertrag unterzeichnen sollen. Jedoch habe er darauf bestanden, dass vorher ein Anwalt draufschaut. Und mindestens einen Haken - wenn auch nicht juristisch - scheint es dabei zu geben.

Seine neue Wohnung liegt im Erdgeschoss und hat ein Fenster zu einem Hof, der öffentlich zugänglich sei. "Die neuen Nachbarn haben mich gewarnt, dass es dort viele Einbrüche gab", beklagt Dunajevsky auch gegenüber der Hausverwaltung. Die teilt ihm mit: "Seit dem Einzug der Vormieter 2018 ist uns kein Einbruch gemeldet worden. Zudem haben Sie Rollläden, was die Sicherheit der Wohnung zusätzlich erhöht."

Das findet er nicht hilfreich: "Jetzt muss ich jedes Mal, wenn ich die Wohnung verlasse, die Jalousien schließen, weil ich Angst habe, dass jemand reinkommt und meine Gitarren stiehlt. Das ist einfach unfair." Auch habe die Küche keinen Herd und die Waschmaschine sei nicht angeschlossen. Handwerker seien bereits beauftragt, versichert ihm die Hausverwaltung, außerdem suche man weiter nach Alternativwohnungen für ihn. Doch bis heute habe sich niemand bei ihm gemeldet, auch keine Handwerker, sagt Dunajevsky.

Hausverwaltung lässt Dach abdichten

Wie es mit Dunajevskys eigentlicher Wohnung weitergeht ist auch noch nicht geklärt. Die Hausverwaltung erklärt rbb|24 gegenüber: "Bezüglich der weiteren Schritte sind wir mit der Versicherung in Abstimmung. Mit den betroffenen Mieterinnen und Mietern stehen unsere Kolleginnen und Kollegen aus der Objektverwaltung in Kontakt." Weitere Einzelheiten, etwa wann Dunajevskys Wohnung saniert wird, wolle man nicht kommentieren.

Am Gebäude werde aber gearbeitet: "Damit kein Wasser ins Gebäude eindringen und weitere Schäden verursachen kann, wird gerade eine Schutzvorrichtung fertiggestellt", teilt die Hausverwaltung mit. Am vergangenen Freitag trennte Dunajevskys Zimmerdecke und den Regen nur eine dünne Plastikfolie, allerdings waren Bauarbeiter am Gerüst um das Haus zugange.

Letztlich ist das für Dunajevsky auch kein Thema mehr: "Ich hätte gern eine Wohnung, die nicht jährlich überschwemmt wird." Deshalb wolle er nicht mehr zurückkehren. Stattdessen lässt er von einer Mietrechtsanwältin klären, ob er nicht doch Schadenersatz bekommen könnte. "Ich kann die Fahrlässigkeit der Hausverwaltung nicht beweisen, das ist Sache der Anwälte. Aber ich hoffe, dass sie für den Schaden, den sie angerichtet haben, aufkommen werden", sagt Dunajevsky. Denn das nasse Sofa, auf dem er nun sitzt, habe etwa 1.200 Euro gekostet und arbeiten habe er in den letzten zwei Wochen auch nicht können.

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