"Ich habe alles gemacht, alles gesagt, alles gesungen"

An diesem Samstag verabschiedet sich Schlagerstar Frank Zander von der großen Bühne. Auf dem Berliner Schlager-Olymp will er sein letztes, großes Konzert geben. Im Intervier blickt der 81-Jährige auf eine lange Karriere zurück.

In seiner langjährigen Karriere hat Frank Zander Hits wie "Der Urur-Enkel von Frankenstein" und "Hier kommt Kurt" geschaffen. Einen Tag vor seinem Auftritt hatte rbb-Reporter Matthias Barsch die Gelegenheit, mit Frank Zander zu sprechen. Über seine Karriere, seine Erfolge und auch sein soziales Engagement in der Stadt.

rbb: Nach fast 50 Jahren auf der großen Bühne – was überwiegt beim Abschied? Wehmut oder Erleichterung?

Frank Zander: Erleichterung, ganz klar. Die Wehmut kommt vielleicht später. Aber es reicht jetzt. Ich habe alles gemacht, alles gesagt, alles gesungen. Und jetzt muss ich mal ein bisschen Ruhe haben. Die Entscheidung ist gefallen. Jetzt kann ich auch nicht mehr zurück, ich will auch nicht zurück. Es war ein erfülltes, musikalisches Leben. Jetzt habe ich meine Malerei noch und werde natürlich auch bei Ausstellungen auftreten. Da sind die Leute alle ganz dicht beieinander. Die sind froh, mich mal anzufassen. So was brauche ich jetzt.

Bei Ihrer letzten Single hat auch Ihr Enkel mitgespielt, als Schlagzeuger. Wird er morgen Abend auch dabei sein?

Das kann schon sein. Ich freue mich auch, die alten Nasen wiederzusehen, aber bitte keine weinenden Verwandten.

Sie sind seit Jahrzehnten erfolgreich unterwegs. Was braucht es dafür?

Ich denke, so zu bleiben, wie man veranlagt ist. Bei mir war nie irgendetwas gestellt, weil es zum Beispiel das Programm verlangt hat. Ich war da manchmal auch etwas schnoddrich. Und was mir auch geholfen hat, waren die vielen Fernsehsendungen, wo ich moderiert habe. Plattenküche, Banana, Vorsicht Musik mit Feldmann, dem Hund – Hugo Egon Balder hat den gesprochen – das war eine Zeit, die hat natürlich eine Menge gebracht, auch für meine Musikkarriere.

Ihr Song "Wo gehst Du hin meine Schöne" ist 15 Jahre alt. Darin geht es um die Zerstörung der Erde durch die Menschen. Wie nehmen sie aktuell die Debatte darüber wahr?

Also, ja, Festkleben auf der Straße ist vielleicht übertrieben. Aber im Grunde haben die jungen Leute doch recht. Wir zerstören. Wir wollen es alle nicht wahrhaben. Aber es ist so, die Erde atmet schon sehr schwer. Und ich merke das ja selbst. Wir wollen alles. Stereo auf dem Klo, wir wollen gut verreisen, ein eigenes Auto. Die Summe macht es aus. Wir sind dabei unsere Erde zu zerstören, und ich denke mal, irgendwann brauchen wir einen neuen Planeten, denn unser ist bald hin.

Sie sind in Neukölln geboren und leben jetzt seit über 50 Jahren in Charlottenburg, wie sehen sie Berlin heute?

Es ist immer noch mein Berlin. Ich bin Ur-Berliner, uriger geht’s ja gar nicht. Es rumort natürlich in der Bevölkerung, vieles läuft schief. Aber ich bin gerne in Berlin, Ibiza ist meine Insel ab und zu, aber Berlin ist das Ding. Und hier wird meine Reise auch enden. Ich weiß auch schon, woran man mein Grab erkennen wird: es riecht immer nach Alkohol. Da werden dann ein paar Obdachlose stehen und einen auf mich trinken. Ob das ein Schnäpperken ist oder ne Pulle. Dann kann man sagen, wo liegt denn der Zander? Immer der Nase nach, da wo es nach Alkohol riecht (lacht).

Was wird aus Ihrem sozialen Engagement? Ihr Weihnachtsessen für Obdachlose gibt es seit 1995…

Das wird es auch weitergeben. Dafür habe ich ja vergangenes Jahr das Bundesverdienstkreuz bekommen, und zwar erster Klasse! Vom Chef (Anm.d. Red.: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier) persönlich. "Ich freue mich, dass Sie das bekommen. Sie haben es verdient", hat er zu mir gesagt. Und das macht mich schon stolz. Mit dem Weihnachtsfest müssen wir mal schauen. Bis jetzt kamen immer 3.000 Leute. Das werden wir etwas kleiner machen, nur noch mit 1.500.

Haben Sie schon einen Plan für das letzte große Konzert?

Ich lass das ein bisschen auf mich zukommen. Alle Songs kann ich ja nicht spielen. Der Anfang, "Hier kommt Kurt", "Kopf oben" oder auch "Angelina", die bestimmt. Und was ganz sicher als Letztes gespielt wird: Nur nach Hause. Das ist nun mal der Song der Berliner und auch Hertha BSC liegt mir sehr am Herzen. Also wenn die spielen, werde ich sicher noch mal vor der Osttribüne stehen. Das genieße ich. Das ist ein einziger Song, da habe ich meinen eigenen Tisch. Aber die Waldbühne mit tausenden Menschen, das muss nicht mehr sein.

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