Frühere Polizeipräsidentin: Clans zwingen Töchter in Bordelle

Erschreckende Einblicke ins Duisburger Rotlichtmilieu: Eine langjährige Ermittlerin zeigt auf, wie prekär die Lage für viele Frauen an der Vulkanstraße ist.

Die frühere Polizeipräsidentin von Duisburg, Elke Bartels, schätzt, dass rund 80 Prozent der Frauen in den Bordellen von Duisburg "gezwungenermaßen dort" sind.

Im Rotlicht-Bezirk um die Vulkanstraße, die wohl größte Bordellmeile in Nordrhein-Westfalen, würden die meisten der rund 400 gemeldeteten Prostituierten unter massivem Druck stehen, so Bartels im nun erscheinenden Buch "Sexkauf – eine rechtliche und rechtsethische Untersuchung der Prostitution."

Darin untersuchen drei Wissenschaftler die Lage der Prostitution in Deutschland. Bartels, die 2021 ihr Amt als Polizeipräsidentin niedergelegt hatte, gibt darin an, dass die meisten Frauen an der Vulkanstraße durch Menschenhandel nach Deutschland gebracht werden oder von ihrem Zuhälter massiv unter Druck und ausgebeutet würden.

Prostituierte meiden Kontakt mit der Polizei

Oft handele es sich bei diesem Zuhälter "um den Ehemann, den Geliebten oder gar den Vater", zitiert die "WAZ" aus dem Buch. Besonders prekär sei die Lage von jungen Bulgarinnen und Rumäninnen aus Clan-Familien. Bartels über die Frauen: "Sie werden geboren, um da irgendwann reingeschickt zu werden."

 

In ihren elf Jahren an der Spitze der Polizei im Ruhrgebiet habe Bartels die Erfahrung gemacht, dass die Frauen aus den Clan-Familien nicht bereit seien, mit den Ermittlern zu kooperieren. Denn: "Sie wissen, was ihnen blühen würde, wenn das rauskäme."

In der Duisburger Vulkanstraße ist die Zahl der gemeldeten Prostituierten zuletzt deutlich gesunken. Innerhalb von einem Jahr haben nach offiziellen Angaben rund 70 die Rotlichtmeile verlassen, teilte die Stadt Duisburg mit.

Die Rockergruppen "Hells Angels" und "Bandidos" sollen neben den Clans aus Osteuropa mehrere Bordelle und andere Geschäfte in der Duisburger Altstadt seit Jahrzehnten kontrollieren. Das Buch "Sexkauf – eine rechtliche und rechtsethische Untersuchung der Prostitution" erscheint an diesem Montag.

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