Einst stärkster Mann der Welt kommt zum Dorfjubiläum nach Neuhardenberg

Archiv: Ronny Weller aus Neuhardenberg winkt auf dem Podium seinen Fans zu. Weller ist wieder der stärkste Mann Europas. (Foto: dpa/epa)

Neuhardenberg - früher Marxwalde - wurde einst das stärkste Dorf der DDR genannt. Den inoffiziellen Titel holten die Gewichtheber des Armeesportvereins. Zum 675. Geburtstag des Dorfes schaut der Beste von ihnen, Ronny Weller, vorbei.

Wenn der Heimatort 675 Jahre Bestehen feiert, dann darf auch der einst stärkste Mann der Welt in Neuhardenberg nicht fehlen - Ronny Weller. Früher hier aufgewachsen und heute in Rheinland-Pfalz lebend, schaut er mit Vater Günther vorbei, um zu gratulieren.

Neuhardenberg, früher Marxwalde, wurde einst das stärkste Dorf der DDR genannt. Den inoffiziellen Titel holten die Gewichtheber des Armeesportvereins. Über 100 Kinder und Jugendliche trainierten dort unter Cheftrainer Günter Weller. Das beste Talent war aber Sohn Ronny.

Ronny Weller hat fast alles gewonnen, was man gewinnen konnte: 1992 holte er in Barcelona Olympiagold und 1993 wurde er erstmals Weltmeister. Im Superschwergewicht hob er 467,5 Kilogramm (Reißen 210 kg, Stoßen 257,5 kg). Ronny Weller ist bis heute Deutschlands erfolgreichster Gewichtheber.

Vater Günther trainierte zu DDR-Zeiten mehr als 100 junge Talente

Ronny begann seine Karriere im Oderbruch, als die Familie Weller Anfang der 1970er Jahre nach Marxwalde, dem heutigen Neuhardenberg, zog. Vater Günther war Sportoffizier bei der Nationalen Volksarmee und für den Drill der Offiziere und Soldaten des Jagdgeschwaders acht zuständig.

Der Sohn eines Müllers hatte aber noch eine Leidenschaft, das Gewichtheben. Und so trainierte er mit Unterstützung anderer in seiner Freizeit fortan Kinder- und Jugendliche. Über 100 Nachwuchstalente waren zeitweise im Armeesportverein Neuhardenberg organisiert.

Archiv: Siegerehrung 1992 bei den Olympischen Spielen in Barcelona. (Foto: picture-alliance/Sven Simon)

Sohn Ronny war der Beste

Schon 1983 wurde Ronny Weller "Stärkster Pionier" und Spartakiade-Sieger der DDR. 1987, da besuchte er bereits die Kinder- und Jugendsportschule in Frankfurt (Oder), wurde er Juniorenweltmeister im Schwergewicht.

Zurück in Neuhardenberg, wurde dem 18-Jährigen ein begeisterter Empfang bereitet. Und Vater Günther wurde an ein lange zurückliegendes Versprechen erinnert. Wenn mal einer seiner Schützlinge mit einer Medaille zurückkehre, werde er seinen Fernseher aus dem Fenster der Neubauwohnung schmeißen.

"Gesagt, getan", erinnert sich der Neuhardenberg Uwe Hädicke. Der heutige Chef des Flugplatzes hatte selbst, nicht ganz so erfolgreich, als Gewichtheber trainiert. "Es war die blanke Euphorie und Glückseligkeit", erzählt er. Auch wenn die DDR-Führung Günther Weller danach zum Rapport bat und das gar nicht lustig fand.

Für Heimatbesuch brauchte es kaum Überredungskraft

Hädicke hatte die Idee, zum 675. Jubiläum von Neuhardenberg ein Gewichtheber-Treffen zu organisieren und Günther und Ronny Weller dazu einzuladen. Viel Überredungskunst brauchte er offenbar nicht, waren doch beide Stars seit über 30 Jahren nicht im Oderbruchdorf Neuhardenberg. 1991 war die Familie nach Duisburg gezogen, nachdem es im Oderbruch keine Arbeit mehr gab. Vater Günther ist heute Rentner, Ronny betreut für seinen Arbeitgeber Lotto Rheinland-Pfalz Sportvereine.

Dem Klassentreffen der Gewichtheber zuvor geht eine Podiumsdiskussion mit beiden Ehrengästen. Sie beginnt an diesem Samstag um 15 Uhr in der Orangerie des Schlosses Neuhardenberg. Sie war in der DDR eine Zeit lang die Trainingsstätte der Gewichtheber. Der Eintritt zur Diskussionsrunde, die vom Journalisten Gunnar Meinhardt geleitet wird, ist frei.

https://www.rbb24.de/studiofrankfurt/beitraege/2023/06/brandenburg-neuhardenberg-ronny-weller-gewichtheber-treffen.html