Droht die Band Rammstein jetzt auseinander zu brechen?

Die Vorwürfe gegen Till Lindemann gehen an der Band Rammstein nicht spurlos vorbei. Das Statement des Schlagzeugers deutet auf einen Bruch der Gruppe hin.

Im kommenden Jahr feiert die Band Rammstein ihr 30-jähriges Bestehen. Doch im Moment dürfte den sechs Musiker nicht gerade zum Feiern zumute sein. Seitdem vor wenigen Wochen die Irin Shelby Lynn Fotos von ihrem mit blauen Flecken übersäten Körper veröffentlichte, steht Frontmann Till Lindemann unter Verdacht.

Lynn erklärte, dass ihr die blauen Flecken im Zuge eines Rammstein-Konzerts zugefügt worden seien und sie den Verdacht hege, dass ihr K.-o.-Tropfen verabreicht wurden. Außerdem erklärte sie, dass sie zuvor auf eine dubiose Aftershow-Party von Till Lindemann geladen war, um mit ihm Sex zu haben. Etliche mutmaßliche Opfer meldeten sich daraufhin und schilderten ähnliche Erlebnisse.

Bisher präsentierte sich Rammstein als Einheit

Bisher machte die Gruppe gute Miene zum bösen Spiel, zeigte Geschlossenheit, stellte sich hinter Lindemann, sogar wortwörtlich. Beim Konzert in München vor knapp einer Woche nahmen die Bandmitglieder Lindemann nach der Show in den Arm. Einen Moment lang standen die Männer in einem Pulk innig zusammen.

So präsentiert sich Rammstein seit Beginn, seit eben fast 30 Jahren. Sie fungieren als Einheit. Statements von einzelnen Mitgliedern der Band gab es nie, die Gruppe spricht nur als Ganzes. Bis jetzt.

Am Freitag meldete sich Christoph Schneider, Schlagzeuger der Band, via Instagram zu Wort. Ein Rammstein-Novum. Es seien anscheinend Dinge passiert, die er persönlich nicht in Ordnung fände. "Gewisse Strukturen sind gewachsen, die über die Grenzen und Wertvorstellungen der restlichen Bandmitglieder hinausgingen." Nach Einheit klingt das nicht mehr. Till Lindemann habe sich "in den letzten Jahren von uns entfernt und sich seine eigene Blase geschaffen", so Schneider. "Mit eigenen Leuten, eigenen Partys, eigenen Projekten." Schneider habe das traurig gemacht.

Risse innerhalb der Band werden sichtbar

Es sind emotionale Zeilen, die hinter die Fassade von Rammstein blicken und die Risse erkennen lassen, die in der Bandgeschichte noch nie sichtbar waren.

Schneider glaube seinem Kollegen, wenn der sage, er habe seinen Gästen stets "eine schöne Zeit bereiten wollte". Er erkenne aber auch: "Wie diese Gäste sich das genau vorgestellt hatten, unterscheidet sich jedoch anscheinend in einigen Fällen von seinen eigenen Vorstellungen."

Die Zerrissenheit war dem Drummer bereits bei einem Konzert in München anzumerken. Als sich Rammstein, wie nach jedem Konzert, nach der Show verbeugte, kamen ihm die Tränen. Vielleicht weinte er vor Rührung, denn die Fans kamen trotzdem. Trotz der heftigen Vorwürfe spielte die Band vor ausverkauften Rängen. Vielleicht weinte er aber auch, weil er sein Lebenswerk den Bach herunterfließen sieht. Ob die Gruppe unter diesem Druck weiter bestehen kann und will, es ist zum jetzigen Zeitpunkt unklar.

Nach unbestätigten "Bild"-Informationen soll das Statement von Schneider mit den anderen Bandmitgliedern nicht abgesprochen worden sein. Man habe versucht, eine neue Meldung zusammen zu verfassen, sei daran aber gescheitert.

Er wünsche sich "ein ruhiges, besonnenes Reflektieren und Aufarbeiten, auch in unserer Band", schreibt Schneider. Sie alle sechs würden zusammen stehen, heißt es weiter in seinem emotionalen Statement. Ob sie das auch bis zum 30. Geburtstag schaffen werden, wird sich zeigen.

https://www.t-online.de/unterhaltung/musik/id_100193624/rammstein-nach-statement-von-schlagzeuger-droht-der-band-jetzt-das-aus-.html