Diese Stadt fürchtet einen Serienmörder

16 Wasserleichen im Zeitraum von nur 16 Monaten. Bislang sprechen Chicagos Ermittler nicht von einer Mordserie. Eine Ex-FBI-Agentin sieht das anders.

Treibt ein Serienmörder in der US-Metropole Chicago sein Unwesen? Das fragen sich die Einwohner der Stadt, angesichts einer erschreckenden Serie an Leichenfunden. So wurden in den vergangenen 16 Monaten 16 tote Körper aus den Gewässern der Stadt gezogen. "Das sind ein paar Zufälle zu viel", sagte die ehemalige Bundesagentin Tracy Walder nun der "New York Post".

 

Die unheimliche Serie an ungeklärten Todesfällen begann im März vergangenen Jahres. Seitdem fanden die Ermittler zehn Männer und sechs Frauen im Chicago River und anderen Gewässern der Stadt am Lake Michigan. Ex-FBI-Agentin Walder will in den Funden Gemeinsamkeiten erkannt haben. "In den vorliegenden Fällen lassen sich so viele ähnliche Muster beobachten, dass man schwerlich von einem Zufall sprechen kann."

Proteste gegen Justizirrtümer und Polizeigewalt: Die Einwohner Chicagos leiden seit Jahren unter der höchsten Mordrate der USA (Archivbild).

Der letzte Fall war der des 26-jährigen Noah Enos. Er wurde fünf Tage, nachdem er nach einem Rockkonzert in Chicago verschwunden war, tot aus dem Fluss gezogen. Die Gerichtsmedizin hat noch keine Todesursache veröffentlicht, doch sie könnte auch dieses Mal Tod durch Ertrinken lauten. Wie bei den meisten anderen Fällen seit März 2022 auch.

Bevölkerung wurde zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen

Enos Familie hat inzwischen Privatermittler angeheuert, um den Tod Noahs aufzuklären. Offenbar ist das Vertrauen in die örtlichen Behörden nicht besonders ausgeprägt. Das Chicago Police Department wollte sich auf "Post"-Anfrage bislang nicht zu der Serienkiller-Theorie äußern.

 

Dabei erscheinen nicht alle der Fälle sofort verdächtig. Die ehemalige Bundesagentin Walder gibt jedoch zu Bedenken, dass forensische Beweismittel beim Tod durch Ertrinken häufig vernichtet werden, das erschwert es, die eigentliche Todesursache zu ermitteln.

Polizei-Einsatz in Chicago (Symbolbild): Eine rätselhafte Todesserie beschäftigt die Ermittler.

Walder sieht dennoch Indizien für die Serienmörder-Theorie. So sei die Häufung mehrerer Todesfälle innerhalb eines bestimmten, meist kurzen Zeitraums, in der Kriminalistik auch als Cluster bekannt, nicht untypisch für einen Serienmörder. Dies sei nun in Chicago der Fall.

Der New Yorker Kriminalistik-Professor Joseph Giacalone sagte der "Post" hingegen, er habe Zweifel an der Serienmörder-Theorie. Er warnte vor voreiligen Schlussfolgerungen.

 

Chicagoer Ermittler schalteten wohl das FBI ein

In sozialen Medien überschlagen sich derweil die Kommentare. Offenbar fürchtet ein Teil der Bevölkerung, dass zusätzlich zur ohnehin schon hohen Mordrate nun auch ein Serienmörder sein Unwesen treibt. Chicago führte im vergangenen Jahr zum elften Mal in Folge die Gewaltstatistik der USA an. 697 Morde registrierte die Stadt 2022.

Dass die Chicagoer Behörden die merkwürdige Häufung an Wasserleichen zumindest für verdächtig halten, zeigt der Umstand, dass sie Ende 2022 offenbar das FBI einschalteten, um der Sache auf den Grund zu gehen, wie der lokale Radiosender Q98.5 berichtete. Auch wurde die Bevölkerung zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen und gebeten, sich besonders in Wassernähe vorsichtig zu verhalten und verdächtige Personen zu melden.

https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/kriminalitaet/id_100200202/16-wasserleichen-in-kurzer-zeit-diese-stadt-fuerchtet-einen-serienmoerder.html