Deutsche Städte bei ausländischen Fachkräften unbeliebt

Angesichts des Fachkräftemangels will die Bundesregierung um Zuwanderer werben. Die Eingewöhnung in Deutschland fällt einer Studie zufolge vielen schwer.

Die Bundesregierung will Einbürgerungen erleichtern und Fachkräfte aus dem Ausland gezielt für eine Zukunft im deutschen Arbeitsmarkt gewinnen. Aber wie attraktiv sind die deutschen Städte auf dem internationalen Arbeitsmarkt? Eine weltweite Befragung unter Menschen, die im Ausland leben und arbeiten, sogenannten "Expats", zeichnet ein düsteres Bild.

Im "Expat City Ranking 2022" des Netzwerks InterNations sind die deutschen Großstädte weit abgeschlagen: Frankfurt am Main liegt auf dem zweitletzten Platz der "50 besten und schlechtesten Städte für Expats", Hamburg folgt kurz darauf auf Platz 45. Die Befragung von knapp 12.000 Personen soll die bei ausländischen Beschäftigten beliebtesten Städte ermitteln. Höchstplatzierte deutsche Stadt ist Berlin auf Position 31. Grund dafür sind komplizierte Behördengänge – aber offenbar auch eine mangelnde Willkommenskultur.

Schwierige Eingewöhnung in deutschsprachigen Städten

Besonders schlecht schneiden die deutschen Städte in der Kategorie Eingewöhnung ab. Diese soll angeben, wie einfach es Migranten in einer neuen Stadt haben. Dort liegen Hamburg und Frankfurt auf Platz 49 und 48 – noch schwerer fällt die Eingewöhnung nur in der österreichischischen Hauptstadt Wien. Ausschlaggebend für die schlechten Werte sind der Studie zufolge Schwierigkeiten bei der Suche nach Freunden und das Gefühl, nicht willkommen zu sein.

Noch schlimmer sieht es in der Kategorie der "Expat Essentials" aus: Hier sollten die Beschäftigten bewerten, wie leicht sie ihre Grundbedürfnisse am neuen Arbeitsort erfüllen konnten – etwa im Umgang mit der lokalen Bürokratie oder der Wohnungssuche. Die fünf gelisteten deutschen Städte liegen hier allesamt auf den hintersten zehn Plätzen.

Positive Werte erreichen deutsche Städte dagegen in der Kategorie Lebensqualität – München schafft es hier sogar auf Rang 10. In der Gesamtwertung liegen Valencia, Dubai und Mexiko-Stadt ganz vorne.

"Niemand träumt davon nach Deutschland zu ziehen"

Dass die aktuelle Befragung kein Einzelbefund ist, zeigt eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aus dem Jahre 2019. Auch damals wurde Deutschland als eher unattraktiv für Akademiker aus dem Ausland eingestuft. Mehr dazu lesen Sie hier.

Die Urteile von Arbeitsmarktexperten fallen teilweise vernichtend aus: "Niemand, wirklich niemand, träumt davon nach Deutschland zu ziehen", schreibt etwa Chris Pyak, der mit seinem Unternehmen internationale Fachkräfte an deutsche Unternehmen vermittelt auf Twitter. Grund für die mangelnde Attraktivität sind laut Pyak Erfahrungen von Rassismus, sowohl im Berufsleben wie im Alltag, und ein schwieriger Zugang zur Staatsbürgerschaft.

 

Aus Sicht der Forschung wäre der Bedarf für Reformen durchaus gegeben: bis 2035 könnten dem deutschen Arbeitsmarkt etwa sieben Millionen Menschen verloren gehen, warnte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) in einer Studie vor einigen Tagen. In puncto Migration ginge es dabei nicht nur darum, neue Menschen anzuwerben – auch eine hohe Abwanderungsquote müsse bekämpft werden.

https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/id_100088938/expat-city-ranking-deutsche-staedte-bei-auslaendischen-fachkraeften-unbeliebt.html