Bald keine Pampers mehr bei Edeka

Edeka will den Preiskrieg mit Markenherstellern weiterführen. Der Vorstandschef des größten deutschen Einzelhändlers wirft internationalen Konzernen vor, nur auf Gewinne zu schauen.

Edeka hat großen Markenherstellern "Gier" vorgeworfen und will den Streit mit Konzernen wie Procter & Gamble, Mars und Pepsi weiterführen – offenbar noch Monate. "Wir haben aktuell 17 Konzerne, die uns nicht beliefern", sagte Vorstandschef Markus Mosa zur Presse bei der Vorstellung des Jahresabschlusses, wie die "FAZ" berichtete. Er zählte dazu Konsumgüterriesen wie Procter & Gamble, Mars und Pepsi sowie Teile von Henkel, Schwartau und Unilever.

Edeka wolle die Preise der Konzerne nicht akzeptieren. Diese hatten im vergangenen Jahr Preiserhöhungen von drei Milliarden Euro geltend gemacht, im Januar seien nochmal 1,2 Milliarden Euro gefordert worden, berichtete Mosa.

Nachdem bereits die Schokoriegel von Mars aus vielen Läden verschwunden sind, trifft es wohl bald die Pampers-Windeln. Ab Juni dürften die dann aus den Regalen verschwunden sein, so Mosa. Dann sind die Lagerbestände aufgebraucht. Derzeit suche Edeka nach einem anderen Lieferanten.

"Konzerne verzichten lieber auf Lieferungen"

Er könne die Preisforderungen nicht nachvollziehen, sagte der Chef von Deutschlands größtem Einzelhändler. Etliche Rohstoffe für Waschmittel, aber auch Fette, Weizen und Öle seien billiger.

Mosa wirft den Großkonzernen vor, nur auf Gewinne zu schauen. Die "Gier" der internationalen Markenhändler lasse noch nicht nach. "Wir sind ganz klar so unterwegs, dass die Markenartikelindustrie ihre Ergebnisse maximiert und lieber auf Belieferung verzichtet." Mosa sprach von deutlich zweistelligen Zuwächsen bei den Konzernen. Im Einzelhandel seien dagegen Händler froh, wenn sie vier Prozent Gewinn einfahren könnten.

Kritik an Spekulation mit Nahrungsmitteln

Der Chef des Verbunds, dem 11.000 Geschäfte angehören, kritisierte massive Nahrungsmittelspekulationen. So seien mit dem ersten Schuss in der Ukraine die Weizenpreise explodiert. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ende Februar letzten Jahres da irgendeine Ernte anstand. Ich kenne nur Schnee und tiefen Frost", sagte Mosa.

Mosa sagte, früher oder später werde es eine Lösung geben, allerdings eher in Monaten als in Wochen. Die Kosten von Containertransporten aus Asien seien erheblich gesunken, Mosa hofft, dass sich diese auch auf Preise auswirkt. Als Alternative versucht Edeka andere Anbieter zu finden und Eigenmarken verstärkt in den Regalen zu platzieren.

Der Preiskrieg scheint noch keinen Einfluss auf den Umsatz des Lebensmittelhändlers zu haben. Dieser sei trotz des Lieferstopps der Markenhersteller gestiegen – um rund 5,6 Prozent oder 3,5 Milliarden Euro auf 66,2 Milliarden Euro.

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