Autozulieferer schließt deutsche Werke – will ins Ausland

Ein deutscher Hersteller von Autoteilen plant seine Produktion im Ausland auszuweiten. Dafür sollen zwei von sechs Werken im Inland geschlossen werden.

Die Firma Fehrer setzt auf Expansion – allerdings nicht in Deutschland. Der Autozulieferer, der Bauteile für den Fahrzeuginnenraum entwickelt und produziert, will im kommenden Jahr zwei seiner sechs deutschen Werke stilllegen. Betroffen sind laut einer Pressemitteilung des Konzerns die fränkischen Standorte Großlangheim und Wiesentheid; beide nicht unweit vom Hauptsitz des Herstellers in Kitzingen gelegen. Nach Informationen der lokalen Nachrichtenseite "inFranken.de" sind dadurch insgesamt 270 Arbeitsplätze betroffen.

Schon jetzt ist ein Großteil von Fehrers rund 5.000 Mitarbeitern im Ausland beschäftigt. Sie produzieren für die Firma in den USA, Mexiko, China, SüdafrikaUngarn und der Tschechischen Republik. Die Produktionszweige der abzuwickelnden Werke in Franken sollen an diese anderen Standorte wandern. Nur so könne Schaden von der gesamten Fehrer-Gruppe abgewendet werden, heißt es aus der Geschäftsführung.

 

Hintergrund sei die "Kostenexplosion", die besonders die deutsche Automobilzulieferindustrie treffe: "Corona-Pandemie, Lieferkettenprobleme, Rohstoffverknappungen, der Ukrainekrieg, die Energiekrise und unerwartet hohe Tarifabschlüsse in Deutschland" hätten die betriebswirtschaftliche Lage verschärft, betont die Konzernleitung in einer Pressemitteilung. Man habe zwar versucht, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Standorte durch "strikte Effizienzprogramme" zu sichern, dies sei jedoch nicht gelungen.

Branchenweiter Trend statt Einzelfall

Ein Umzug ins Ausland habe außerdem den Vorteil, näher an die eigenen Kunden heranzurücken. Diese hätten ihre Standorte bereits umfassend verlagert, sodass die Nachfrage nach Fehrers Produkten im Ausland zunehmend steige, während die Auftragslage in der Bundesrepublik immer schlechter werde.

"Vor dem Hintergrund dieser Marktentwicklung" wolle man mit der Teilabwicklung der deutschen Werke dafür sorgen, dass sich die verbleibenden Produktionsstandorte in Kitzingen, SindelfingenMünchen und Braunschweig halten könnten, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Über die Details des Stellenabbaus will die Geschäftsführung mit den jeweiligen Arbeitnehmervertretern verhandeln.

Fehrer ist mit seiner Entscheidung nicht allein: Laut einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer aus dem Frühjahr verlegen immer mehr deutsche Firmen ihre Werke ins Ausland. Angetrieben werde dieser Trend vor allem durch eine "sich verschlechternde Kostenstruktur" in der Bundesrepublik. Für den Branchenverband "ein Weckruf an die Politik", die Standortbedingungen hierzulande zu verbessern.

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