AKW Saporischschja vollständig vom Netz getrennt

Der Betreiber Energoatom will auch den letzten Reaktor des Atomkraftwerks in den Kaltzustand versetzen. Selenskyj sieht keine Möglichkeit zu Verhandlungen. Das Liveblog

Atomkraftwerk Saporischschja wird komplett heruntergefahren

Das Atomkraftwerk Saporischschja ist ukrainischen Angaben zufolge vollständig vom Stromnetz abgekoppelt worden und wird heruntergefahren. Die ukrainische Atombehörde Energoatom teilte auf Telegram mit: "Es wurde entschieden, den Reaktorblock Nummer sechs in den sichersten Zustand - den Kaltzustand - zu versetzen". Der letzte noch betriebene Block der Anlage sei demnach vom Stromnetz genommen worden.

Laut Energoatom arbeitete das AKW bereits in den vergangenen drei Tagen im "Inselbetrieb". Das heißt, es produzierte nur noch Strom zur eigenen Energieversorgung, weil alle Verbindungslinien zum ukrainischen Stromnetz durch den wochenlangen Beschuss unterbrochen worden seien.

  • Russisches Militärfahrzeug vor dem AKW Saporischschja am 1. SeptemberRussisches Militärfahrzeug vor dem AKW Saporischschja am 1. SeptemberAlexander Ermochenko/Reuters

Als am Samstagabend wieder eine Leitung zum Stromnetz hergestellt wurde, sei daraufhin entschieden worden, das Kraftwerk über diese Leitung zu versorgen und den letzten funktionierenden Reaktorblock abzuschalten. Saporischschja wird somit auf den sicheren Kaltzustand herunter gekühlt.

Rings um das größte AKW in Europa kommt es immer wieder zu Kämpfen zwischen ukrainischen und russischen Truppen. Das Gelände des in der Stadt Enerhodar gelegenen Kraftwerkes wurde wiederholt getroffen. Beide Kriegsparteien weisen sich die Schuld dafür gegenseitig zu. Bereits im August war es deshalb eine Notabschaltung des Kraftwerks gekommen.

Großbritannien weist Putins Aussagen zu Getreideexporten zurück

Das britische Verteidigungsministerium hat Äußerungen des russischen Präsidenten, wonach nur ein Bruchteil der ukrainischen Getreidelieferungen an arme Länder gehe, zurückgewiesen. Wladimir Putin sagte Mitte der Woche, nur zwei von 87 Schiffen hätten 60.000 Tonnen Getreide in arme Länder geliefert. Dazu teilte das Ministerium unter Berufung auf UN-Zahlen, dass rund 30 Prozent des exportieren Getreides an Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen in Afrika, Asien und im Nahen Osten geliefert worden seien.

Um die Verantwortung für Ernährungsprobleme abzuwenden, verfolge Russland eine Strategie der bewussten Falschinformation, twitterte das Ministerium. Ziel Russlands sei es, die Ukraine in Misskredit zu bringen, nachdem die Getreidelieferungen wegen russischer Blockaden monatelang ausfielen.

Weiterhin bestätigte das Ministerium in seinen Lagebericht die ukrainischen Fortschritte bei ihrer Gegenoffensive in Charkiw in den vergangenen 24 Stunden. Das russische Militär habe wahrscheinlich Einheiten von dort abgezogen. Allerdings hielten Kämpfe rings um die Städte Kupjansk und Isjum an. 

Selenskyj sieht keine Verhandlungsbereitschaft Russlands

Der ukrainische Präsident hat seine derzeitige Ablehnung gegenüber möglichen Verhandlungen mit der russischen Regierung bekräftigt. Grund dafür sei, dass Russland "keine angebrachten Positionen formulieren" könne, sagte Wolodymyr Selenskyj laut einer Mitteilung seines Büros auf einer Paneldiskussion. Er glaube zudem nicht daran, dass Russland mögliche Zusagen einhalten werde, sagte er.

  • Wolodymyr Selenskyj bei einer Onlinekonferenz am 29. AugustWolodymyr Selenskyj bei einer Onlinekonferenz am 29. AugustSarsenov Daniiar/Picture Alliance/dpa

Wir wollen den Krieg beenden, doch die Räume und Möglichkeiten haben sich verändert. Die Gesellschaft will nicht mit Terroristen reden.

Gespräche seien erst möglich, wenn russische Truppen das ukrainische Staatsgebiet verlassen und Russland "aufhört, sich wie ein Terrorist zu verhalten", sagte der Präsident. Damit die Ukraine "einen diplomatischen Korridor" öffne, müsse die russische Regierung den politischen Willen dazu zeigen. Dazu gehöre die Bereitschaft, "fremdes Land zurückzugeben."

Raketenangriffe auf ukrainische Städte

Durch russischen Beschuss sind in der Ukraine in mehreren Großstädten Menschen verletzt und Gebäude beschädigt worden. In der südlichen Stadt Mykolajiw, die sich wenige Dutzend Kilometer entfernt von der Frontlinie im benachbarten Cherson befindet, seien neun Menschen durch Beschuss verletzt worden, teilte Bürgermeister Oleksandr Senkewitsch auf Telegram mit. Vier von ihnen würden im Krankenhaus behandelt. Der Beschuss traf demnach Wohnhäuser.

Auch aus Dnipro im Zentrum des Landes meldete Bürgermeister Borys Filatow russischen Beschuss. "Pünktlich zum Stadtfeiertag" sei eine russische Rakete im Zentrum der Großstadt eingeschlagen, was ihr Ziel gewesen sei, könne er sich nicht erklären, schrieb Filatow: "Ausschließlich Terror und Einschüchterung", mutmaßte er. Nach vorläufigen Angaben gebe es keine Toten, es seien aber Menschen verletzt worden. 

Ukraine meldet Zerstörung russischer Munitionsdepots

Ukrainische Streitkräfte haben eigenen Angaben zufolge mehrere russische Munitionsdepots rund um die südliche Stadt Cherson zerstört. Das berichten ukrainische Medien unter Berufung auf das Einsatzkommando Süd des ukrainischen Militärs. Auch eine Fährverbindung in der Region sei zerstört worden. 

Ukrainischer Regierungschef fordert IWF zu mehr Unterstützung auf

Der ukrainische Ministerpräsident Denys Schmyhal hat dem Internationalen Währungsfonds (IWF) mangelnde Unterstützung seines Landes vorgeworfen. Im Unterschied zu den USA und der Europäischen Union, die bei der Unterstützung der Ukraine führend seien, "beobachten wir beim IWF eine ziemlich passive Haltung", sagte Schmyhal beim internationalen Forum Yalta European Strategy (YES) in Kiew.

Die Ukraine hatte im August beim IWF ein neues Hilfsprogramm beantragt. Wegen der russischen Invasion droht die Wirtschaft des Landes dieses Jahr um mehr als 30 Prozent zu schrumpfen.

Wir tun unser Bestes, wir haben ihnen die Dokumente übermittelt und wir rufen den IWF auf, seine Aktivitäten wirklich zu intensivieren.

Die EU-Finanzminister hatten am Freitag bei einem informellen Treffen in Prag den Weg für eine neue Hilfstranche für die Ukraine frei gemacht. Die bewilligten fünf Milliarden Euro gehören zu einer sogenannten Makrofinanzhilfe für die Ukraine im Umfang von neun Milliarden Euro, welche die EU im Mai angekündigt hatte. Nach Schmyhals Angaben soll die EU der Ukraine im Oktober einen Kredit in Höhe von drei Milliarden Dollar (2,98 Milliarden Euro) geben.

Insgesamt belaufen sich die Zusagen kurzfristiger Hilfen für die Ukraine auf 39 Milliarden Euro. Dies dürfte sich nach Angaben eines EU-Diplomaten aber als unzureichend erweisen, da die Berechnung der Hilfen auf der Annahme basiert habe, dass der Krieg Ende August ende.

Ukrainische Einsatzkräfte verschaffen sich ein Bild von der Lage in zurückeroberten Städten

 


In den von der Ukraine im Nordosten des Landes zurückeroberten Dörfern und Städten haben Sicherheitskräfte damit begonnen, die Identitäten der Einwohner zu kontrollieren. "Wir müssen nun die Hilfe leisten, die die Menschen hier brauchen, und dann die Verbrechen dokumentieren, die die russischen Invasoren begangen haben", sagte der regionale Polizeichef Wolodymyr Tymoschenko. 

  • Ein Mann ist in der Region Charkiw mit seinem Fahrrad unterwegs.

Reporter der Nachrichtenagentur Reuters berichten, sie hätten ausgebrannte Fahrzeuge mit dem "Z"-Symbol der russischen Armee gesehen. Außerdem lägen Munitionskisten und Müll in Stellungen verstreut, die Russlands Truppen offensichtlich in Eile aufgegeben hätten. 

Ukrainischer Außenminister verlangt mehr Waffenlieferungen

 

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba fordert im Kampf gegen Russland mehr Waffen. Die Gegenoffensive habe gezeigt, dass die Ukraine die russischen Streitkräfte besiegen könne, sagte Kuleba bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der deutschen Außenministerin Annalena Baerbock.

Einige Verbündete seien am Anfang wegen des Risikos, den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu verärgern, zögerlich gewesen, Waffen zu geben, sagte Kuleba. Die Ukraine höre dieses Argument aber nicht mehr. Die ukrainischen Streitkräfte hätten bewiesen, dass sie in der Lage seien, die russische Armee zu schlagen.

Die Ukraine schaffe dies mit den Waffen, die dem Land geschickt worden seien. Je mehr Waffen sie erhalte, desto schneller werde sie gewinnen und der Krieg enden. Baerbock sicherte der Ukraine weitere militärische Hilfe zu, mit Blick auf die laufende Gegenoffensive schloss sie dabei auch die Lieferung von Kampfpanzern westlicher Bauart nicht aus.

Ukraine prüft Export von Kraftwerkskohle an Polen

 

Die Ukraine erwägt, Polen 100.000 Tonnen Kraftwerkskohle zu liefern, damit das Nachbarland durch den Winter kommt. Er habe das Kabinett angewiesen, die Möglichkeit eines Exports von Kraftwerkskohle zu prüfen, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. Für den eigenen Bedarf habe sein Land genügend Kohle.

Strom- und Wasserversorgung in Enerhodar wiederhergestellt

Die von Russland besetzte Stadt Enerhodar, in der auch das umkämpfte Atomkraftwerk Saporischschja liegt, hat laut ukrainischen Angaben wieder Strom. Nach einem Ausfall der Strom- und Wasserversorgung durch eine Explosion am vergangenen Mittwoch sei heute beides wiederhergestellt worden, teilte der ukrainische Bürgermeister von Enerhodar, Dmytro Orlow, mit. Arbeiter des Atomkraftwerks hätten dabei geholfen. Ob der Strom aus dem AKW kam oder von einem nahe gelegenen Wärmekraftwerk, blieb unklar.

Das größte Atomkraftwerk Europas wurde infolge von Kämpfen von seiner externen Stromversorgung abgeschnitten. Für die Kühlung und andere wichtige Sicherheitsmaßnahmen war es dadurch auf seinen letzten noch funktionierenden Reaktor angewiesen.

Selenskyj: Ukraine hat mehr als 2.000 Quadratkilometer zurückerobert
 

Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zufolge habe die ukrainische Armee in den vergangenen zehn Tagen rund 2.000 Quadratkilometer der von Russland besetzten Gebiete zurückerobert. Das erklärte Selenskyj in einer Videoansprache und dankte allen Soldaten, die an Rückeroberungen im Charkiwer Gebiet im Osten der Ukraine beteiligt waren.

Ukraine meldet Rückeroberung von Balaklija

Die ukrainischen Streitkräfte haben laut eigenen Angaben die volle Kontrolle über die ostukrainische Stadt Balaklija zurückerlangt. Das teilt Vizeverteidigungsministerin Hanna Malyar mit. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Russland hatte bereits zuvor angekündigt, seinen wichtigsten Stützpunkt an der Front in der Region Charkiw aufzugeben. Aus dem russischen Verteidigungsministerium hieß es laut der Nachrichtenagentur Tass, dass die Regierung in Moskau Soldaten aus Balakija und Isjum zum Zweck einer Umgruppierung abziehe. 

Separatistenführer spricht von schwieriger Lage in Donezk

Die ukrainische Gegenoffensive setzt die russische Arme erkennbar unter Druck. Der Chef der selbst ernannten Volksrepublik Donezk, Denis Puschilin, sprach von einer schwierigen Lage in der Region. Die Situation in der Stadt Lyman sei "ziemlich schwierig, ebenso wie in einer Reihe anderer Orte im Norden der Volksrepublik", räumte Puschilin in einem Video ein, das er auf Telegram veröffentlichte.

  • Denis PuschilinDenis PuschilinOLGA MALTSEVA/AFP via Getty Images

Das russische Verteidigungsministerium hatte zuvor den Rückzug von Truppen aus den strategisch wichtigen Städten Isjum und Balaklija in der Region Charkiw bekannt gegeben. Nach offizieller Darstellung sollen die Truppen verlegt werden, um "die Bemühungen an der Donezk-Front zu verstärken".

Russische Besatzungsverwaltung ruft zu Flucht aus Charkiw auf

  • Zerstörte Fahrzeuge südöstlich von CharkiwZerstörte Fahrzeuge südöstlich von CharkiwDavid Ryder/ZUMA Press Wire/dpa

Angesichts jüngster ukrainischer Geländegewinne hat die russische Besatzungsverwaltung in der Region Charkiw erneut zur Evakuierung der dort liegenden Städte und Dörfer aufgerufen. "Ich empfehle nochmals allen Bewohnern der Region Charkiw, das Gebiet zum Schutz ihres Lebens und ihrer Gesundheit zu verlassen", sagte der Chef der von Russland eingesetzten Militärverwaltung, Witali Gantschew, laut der Nachrichtenagentur Tass. "Jetzt in seinem Haus zu bleiben, ist gefährlich."

 

Russland gibt Abzug aus wichtiger Stadt Isjum zu

  • Rauch steigt über einem Wohngebiet in der Nähe der Stadt Isjum auf.Rauch steigt über einem Wohngebiet in der Nähe der Stadt Isjum auf.Carlos Barria/Reuters

Nach den von der Ukraine gemeldeten Geländegewinnen in der ostukrainischen Region Charkiw hat Russland den Rückzug seiner Truppen aus Gebieten um Balaklija und Isjum gemeldet. Die Truppen würden verlegt, um die "Bemühungen entlang der Donezk-Front zu verstärken", teilte das russische Verteidigungsministerium mit.

Viele Militärexperten zweifeln allerdings an dieser offiziellen Begründung und gehen davon aus, dass die russischen Truppen durch den massiven ukrainischen Vorstoß im Charkiwer Gebiet so stark unter Druck geraten sind, dass sie sich zur Flucht entschieden haben.

Zuletzt hatte die ukrainische Seite etwa die Rückeroberung von Kupjansk gemeldet. Die Kleinstadt ist wegen ihres direkten Bahnanschlusses an Russland als Verkehrsknotenpunkt wichtig für die Versorgung des gesamten russischen Truppenverbands um das südwestlich gelegene Isjum.

Später berichtete der Militärgouverneur des ebenfalls ostukrainischen Gebiets Luhansk, Serhij Hajdaj, die eigenen Truppen seien auch dort auf dem Vormarsch und bereits an den Stadtrand von Lyssytschansk vorgestoßen. Lyssytschansk war im Juli als letzte größere Stadt des Bezirks Luhansk von der russischen Armee erobert worden. 

 

  • Ukraine meldet Rückeroberung strategisch wichtiger Stadt Kupjansk

    Mehr als ein halbes Jahr nach Beginn des russischen Angriffskriegs hat die Ukraine eigenen Angaben zufolge die strategisch wichtige Stadt Kupjansk im östlichen Gebiet Charkiw zurückerobert. Der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU veröffentlichte am Samstag auf Telegram Fotos, die eigene Einheiten in der bislang von Russland besetzten Kleinstadt zeigen sollen. Zuvor hatten bereits ukrainische Medien die Rückeroberung von Kupjansk gemeldet.

    Die Kleinstadt ist wegen ihres direkten Bahnanschlusses an Russland als Verkehrsknotenpunkt wichtig für die Versorgung des gesamten russischen Truppenverbands um das südwestlich gelegene Isjum. Durch den Vorstoß der Ukraine droht dort nun mehr als 10.000 russischen Soldaten die Einkesselung.

    • Bilder von einer Evakuierung aus der Stadt, aufgenommen im Mai 2022Bilder von einer Evakuierung aus der Stadt, aufgenommen im Mai 2022REUTERS/Ivan Alvarado

     

  • Baerbock hält Menge an Minen für "mehr als erschreckend"

    Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hat sich bei ihrem zweiten Besuch in Kiew schockiert über die Masse an Minen gezeigt. "Was ich hier sehe, ist mehr als erschreckend", sagte die Grünenpolitikerin.

    Es sei klar, dass die russische Armee nicht nur Anti-Panzer-Minen verlegt habe, sondern auch Anti-Personen-Minen, also Minen um gezielt Zivilisten zu töten. Daher müsse die Ukraine nicht nur militärische Hilfe erhalten, sondern auch Unterstützung im Zivilschutz.

    Dort, wo diese heimtückischen Waffen tagtäglich weiter das Leben von Kindern, von Frauen und Familien bedrohen, sorgen die von uns unterstützten Projekte so für ein wenig mehr an Freiheit und Sicherheit.

    Annalena Baerbock

    Deutschland unterstütze auch bei der Räumung von Minen und Kampfstoffen. Das sei Grundlage für jeden Wiederaufbau der Ukraine, dieser werde jedoch Jahrzehnte dauern

    Wichtig sei daher, "in Städten, in Vororten, in Dörfern, auf Feldern, auf Wegen Entminung voranbringen, damit Menschen, jetzt, wo die Panzer weg sind, zumindest halbwegs sicher zu ihren Feldern oder auch zu ihrer Arbeit vor Ort kommen zu können".

 

Polens Regierungschef sieht Ukraine-Krieg als Kampf für die Zukunft Europas

Die Ukraine kämpft nach Ansicht von Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki um die Zukunft des gesamten Kontinents. Nach seiner Rückkehr aus Kiew teilte er mit, diese Zukunft müsse frei sein von russischem Imperialismus und Kolonialismus, von Erpressung und von den Eroberungsgelüsten Russlands.

Wir können uns fragen, worum es in diesem Krieg wirklich geht. In diesem Krieg geht es um die zukünftige Gestalt Europas.

Mateusz Morawiecki, Regierungschef Polens
  • Der polnische Regierungschef Mateusz Morawiecki und der lettische Präsident Egils Levits bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Wolodymyr Selenskyj.Der polnische Regierungschef Mateusz Morawiecki und der lettische Präsident Egils Levits bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Wolodymyr Selenskyj.Alexey Furman/Getty Images

Es sei enttäuschend, dass die Deutschen ihre Fehler in der Energiepolitik so spät eingesehen hätten, sagte Morawiecki zudem dem Spiegel. "Berlins Zögern, die Untätigkeit, stellt den Wert des Bündnisses mit Deutschland ernsthaft infrage." Polen habe der Ukraine bereits Waffen im Wert von deutlich mehr als zwei Milliarden Dollar geliefert, darunter auch 300 Panzer und andere schwere Geräte.

Die Idee des Ringtauschs entstand kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs. Ziel war es, die Ukraine möglichst schnell mit schweren Waffen zu versorgen. Da die ukrainischen Streitkräfte für sowjetische Systeme keine zusätzliche Ausbildung benötigen, schien es der zügigste Weg zu sein, zunächst solche Waffen zu liefern. Dafür sollten die Länder, die darüber verfügen, zeitversetzt westliche Fabrikate erhalten.

Bundeswehr übt in Estland mit spezialisierten Kräften

Spezialisierte Kräfte von Luftwaffe und Marine sollen in Estland den Schutz von kritischer Infrastruktur des östlichen Nato-Partners trainieren. In der Spitzenzeit der Übung Baltic Tiger 2022, die im Oktober beginnt, sollen sich über 150 Soldaten aus Deutschland beteiligen. Das geht aus Informationen der Nachrichtenagentur dpa hervor.

Zum Trainingsprogramm gehören unter anderem die Absicherung von Verbindungswegen sowie von Truppen "auf dem Marsch", wie sie bei der Verlegung von Verstärkungskräften nötig sein kann. Die gemeinsame Übung mit estnischen Verbänden ist im Großraum der Hauptstadt Tallinn und des Nato-Flugplatzes Ämari geplant.

  • 150 Soldaten der Bundeswehr sind schon bald in Estland im Einsatz.150 Soldaten der Bundeswehr sind schon bald in Estland im Einsatz.Christoph Stache/AFP via Getty Images

Zudem wird die Marine Estlands durch das Objektschutzregiment der Luftwaffe, Aufklärungstrupps, Scharfschützen und Soldaten zur Feuerunterstützung verstärkt. Das Seebataillon der Deutschen Marine schickt Minentaucher und Marineinfanteristen, die luftbeweglich und auf dem Seeweg anlandefähig sind. Die Übung wird nicht nur im Landesinneren, sondern auch in Hafenanlagen und Unterwasserliegenschaften der estnischen Marine im Norden des Landes durchgeführt.

Das Manöver wurde vor dem Hintergrund der veränderten sicherheitspolitischen Lage in Europa angesetzt: Die Nato will durch den russischen Angriff auf die Ukraine einen verstärkten Schutz der Ostflanke des Bündnisses sicherstellen. So soll die geplante Übung ein deutliches Signal der Rückversicherung sein.

Olaf Scholz macht Mut: "Wir kommen da durch"

Bundeskanzler Olaf Scholz hat den Bürgerinnen und Bürgern in der Energiekrise Mut zugesprochen. "Wir werden uns als Land unterhaken, weil wir ein solidarisches Land sind. Wir kommen da durch", sagte der SPD-Politiker in einer Videobotschaft. Die Menschen in Deutschland spürten, dass sie in einer ernsten Zeit lebten. "Wir haben uns aber vorbereitet", sagte der Kanzler.

So sei man bereit dafür, dass Russland seine Gaslieferungen wegen des Kriegs gegen die Ukraine weitgehend einstelle. Nach einem angeblichen technischen Defekt und im Zuge der zugehörigen Wartungsarbeiten fließt über die Leitung Nord Stream 1 nichts mehr nach Deutschland. Die Bundesregierung stellt sich darauf ein, dass das so bleibt.

  • Bundeskanzler Olaf Scholz bei der Generaldebatte im Bundestag.Bundeskanzler Olaf Scholz bei der Generaldebatte im Bundestag.Kay Nietfeld/dpa

Angst und Gewalt in besetzten ukrainischen Gebieten

Aus Angst, Verwandten könnten Körperteile abgeschnitten werden, will eine aus Cherson geflohene Frau nicht einmal ihren Namen preisgeben. Drohungen von Haft und Gewalt sollen besonders Aktivisten und Lehrerinnen unter Druck setzen, sich an das System der Besatzer zu halten. Doch auch mit Geld und Arbeit wird Druck auf die Bevölkerung ausgeübt: Eine "humanitäre Hilfe" von umgerechnet 170 Euro erhalten nur Personen, die ihren Pass vorzeigen und so in die russischen Akten aufgenommen werden.

Einen ausführlichen Bericht über die Lage in den besetzten Gebieten finden Sie hier:

Ukrainische Einheiten rücken auf Kupjansk vor

Laut Informationen des britischen Verteidigungsministeriums rücken ukrainische Truppen auf Kupjanks, südlich von Charkiw, vor. Die Offensive habe die russischen Besatzer überraschend getroffen. Die Eroberung Kupjansks wäre "ein schwerer Schlag" für die russischen Einheiten, da der Ort direkt an Versorgungsrouten zur Frontlinie des Donbass liegt, schreibt das Ministerium. 

Demnach steht die russische Verteidigungsfront nun sowohl an ihrer Nord- als auch an ihrer Südflanke unter Druck.

Annalena Baerbock will in Kiew mit Dmytro Kuleba sprechen

Außenministerin Annalena Baerbock ist zu ihrem zweiten Ukraine-Besuch seit Kriegsbeginn in Kiew eingetroffen. Sie wolle mit der Reise zeigen, "dass wir der Ukraine weiter beistehen, solange es nötig ist – mit der Lieferung von Waffen, mit humanitärer und finanzieller Unterstützung", sagte sie bei ihrer Ankunft.

Mit dem Besuch will die Grünenpolitikerin auch ein Zeichen gegen drohende Kriegsmüdigkeit in Deutschland setzen. Für sie sei klar, dass Wladimir Putin auf schwindende Anteilnahme setzt. Diese Rechnung werde jedoch nicht aufgehen, da ganz Europa wisse, dass die Ukraine die europäische Friedensordnung verteidigt, sagte Baerbock. 

Er glaubt, dass er unsere Gesellschaften mit Lügen spalten und mit Energielieferungen erpressen kann. Und, dass er uns die Energie nehmen kann, uns gegen diesen brutalen Angriff auf unser aller Werte zu verteidigen.

Annalena Baerbock

Von Polen aus reiste Baerbock mit einem Sonderzug und einer kleinen Delegation nach Kiew. Der Luftraum über der Ukraine ist seit Kriegsbeginn gesperrt. In Kiew will Baerbock unter anderem Gespräche mit Außenminister Dmytro Kuleba führen. Aus Sicherheitsgründen wurde das weitere Programm zunächst geheim gehalten.

  • Annalena Baerbock besichtigt ein deutsches Minenräumungsprojekt nahe Kiew.Annalena Baerbock besichtigt ein deutsches Minenräumungsprojekt nahe Kiew.Michael Fischer/dpa

Die Außenministerin nannte zwei konkrete Themen, die ihr bei dem Besuch wichtig seien: die deutsche Hilfe beim Räumen von Minen und die Unterstützung bei der Aufarbeitung begangener Kriegsverbrechen. Vermutlich bekräftigen ihre ukrainischen Gesprächspartner zudem ihre Forderungen nach schweren Waffen.

Ukraine meldet erhebliche Geländegewinne in Region Charkiw

Die ukrainische Armee hat nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj mehr als 30 Ortschaften in der Region Charkiw zurückerobert. In seiner abendlichen Videoansprache sagte Selenskyj, die ukrainischen Truppen setzten ihre Einsätze im Rahmen ihrer Gegenoffensive in mehreren Gebieten erfolgreich fort. "Es ist mühsam, aber wir kommen voran", schrieb der Oberkommandeur der ukrainischen Armee Walerij Saluschnyj auf Telegram.

  • Ukrainische Soldaten auf einem Panzer.Ukrainische Soldaten auf einem Panzer.Juan Barretto/AFP via Getty Images

Russland meldete unterdessen heftige Kämpfe in der Nähe der Stadt Balaklija, deren Rückeroberung die Ukraine gestern verkündet hatte. "Wir haben Balaklija nicht mehr unter Kontrolle", bestätigte der von Russland eingesetzte Verwaltungschef der Region Charkiw, Witali Gantschew, im russischen Fernsehen. Es gebe Versuche, die ukrainischen Streitkräfte wieder zu vertreiben. Die Kämpfe dort seien jedoch heftig und die russischen Truppen würden am Rande der Stadt festgehalten.

Wiederaufbau der Ukraine könnte schätzungsweise 350 Milliarden Dollar kosten

Die ukrainische Regierung sowie internationale Organisationen rechnen mit immensen Kosten für den Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur. Bis zum 1. Juni habe die russische Invasion in der Ukraine direkte Schäden von 97 Milliarden Dollar verursacht, heißt es in einem Bericht der Weltbank, der ukrainischen Regierung und der EU-Kommission. Hinzu kämen 252 Milliarden Dollar an Verlusten durch die Unterbrechung der Wirtschaftsströme und der Produktion sowie durch zusätzliche Ausgaben im Zusammenhang mit dem Krieg. 

  • Zerstörte Fahrzeuge und Gebäude in Charkiw, im Osten der UkraineZerstörte Fahrzeuge und Gebäude in Charkiw, im Osten der UkraineDavid Ryder/dpa

Laut dem Regionaldirektor der Weltbank für Osteuropa ist für den 25. Oktober eine Konferenz mit den G7-Staaten zum Wiederaufbau der Ukraine angedacht. 

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